Warum ist eine CM Messung bei Estrich wichtig? Ein Estrich kann trocken aussehen und trotzdem tief im Querschnitt noch so viel Feuchtigkeit enthalten, dass sie unter dem Belag eingeschlossen wird und Holz aufquellen lässt, Kleber löst oder Fliesen lockert. Genau das soll die CM Messung verhindern.
Das Wichtigste auf einen Blick zur CM-Messung
- Zementestrich: belegreif ab ≤ 2,0 CM% (unbeheizt), ≤ 1,8 CM% (mit Fußbodenheizung)
- Calciumsulfat/Anhydritestrich: belegreif ab ≤ 0,5 CM% (unbeheizt), ≤ 0,3 bis 0,5 CM% (mit Fußbodenheizung)
- Kosten: rund 180 € Richtwert zzgl. Anfahrt (ca. 1,30 €/km), Marktspanne deutschlandweit 60 bis 200 €
- Dauer: ca. 30 Minuten vor Ort, Protokoll folgt im Nachgang
- Zuständig: in der Regel der Betrieb, der den finalen Belag aufbringt
- Wichtig: elektronische Feuchtemessgeräte messen nur oberflächlich und ersetzen die CM Messung nicht
Was ist eine CM-Messung?

Die CM-Messung, kurz für Calciumcarbid-Methode, ist ein chemisches Prüfverfahren zur Bestimmung der Restfeuchte im Estrich. Sie gilt als bewährtes Verfahren zur Beurteilung der Belegreife und liefert wichtige Messwerte für die fachgerechte Verlegung von Estrich.
So funktioniert die CM-Messung für Estrich:
- Eine Probe wird aus dem Estrich entnommen und zerkleinert.
- Sie kommt zusammen mit Calciumcarbid in eine Druckflasche.
- Die Restfeuchte reagiert und erzeugt Acetylengas.
- Der entstehende Druck wird am Manometer abgelesen.
- Über eine Eichtabelle ergibt sich daraus der CM Prozentwert.
Warum reicht ein elektronisches Feuchtemessgerät nicht aus?
Ein elektronisches Feuchtemessgerät reicht für eine Feuchtigkeitsmessung von Estrich grundsätzlich nicht aus. Das Problem ist, dass Digitalgeräte nur die oberen 2 bis 3 Zentimeter des Estrichs erfassen. Genau unter diesem Bereich kann jedoch noch Feuchtigkeit stecken, die später den Belag beschädigt.
Bei Otten Fußbodentechnik setzen wir elektronische Geräte deshalb nur zur Vorab-Überprüfung ein. Zeigt der digitale Wert bereits Richtung trocken, folgt an genau dieser Stelle die verbindliche CM Messung.
Die CM Messung ist die einzige Messung, die vor Gericht Bestand hat.
Wird ausschließlich digital gemessen, ist das kein Beweis für die Belegreife des Estrichs. Wird der Belag trotzdem verlegt und es wird Feuchtigkeit einschließen, drohen aufquellende Holzböden, sich lösende Fliesen und versprödender Fliesenkleber.
Ihr Estrich wurde gerade erst verlegt und Sie fragen sich, wann Sie den Raum betreten können? Dann werfen Sie einen Blick in unseren Artikel Ab wann ist Estrich begehbar? Zeiten & Unterschiede erklärt, wo wir genau auf diese Frage eingehen.
CM Messung Tabelle: Restfeuchte im Estrich messen
Die zulässige Restfeuchte hängt von drei Faktoren ab: Estrichart, Bodenbelag und Fußbodenheizung.
| Estrichart | ohne Fußbodenheizung | mit Fußbodenheizung |
|---|---|---|
| Zementestrich (CT) | ≤ 2,0 CM% | ≤ 1,8 CM% |
| Calciumsulfat / Anhydritestrich (CA) | ≤ 0,5 CM% | ≤ 0,5 CM% (Praxis: oft 0,3 CM%) |
Bei beheizten Estrichen kommt noch eine zweite Ebene dazu: der geplante Bodenbelag selbst wirkt sich auf den Grenzwert aus.
Die folgenden Werte sind die anerkannten Normwerte nach DIN 18560, dokumentiert unter anderem von der BG BAU als zuständiger Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU Bauportal: Auf dem Weg zur Belegreife):
| Bodenbelag (beheizter Estrich) | Zementestrich | Calciumsulfatestrich |
|---|---|---|
| Textile / elastische Beläge, Laminat | ≤ 1,8 CM% | ≤ 0,3 bis 0,5 CM% |
| Parkett | ≤ 1,8 CM% | ≤ 0,3 bis 0,5 CM% |
| Keramische Fliesen / Naturstein | ≤ 2,0 CM% | ≤ 0,3 bis 0,5 CM% |
Genau das deckt sich mit unserer Praxiserfahrung:
- Bei Fliesen ist etwas mehr Spielraum, weil die Fuge diffusionsoffen ist.
- Bei verklebten Belägen wie Parkett gelten die Werte ohne Kompromisse.
Bei Schnellestrichen holen wir bevorzugt den Hersteller mit ins Boot und lassen uns ein zusätzliches Protokoll ausstellen, das im Garantiefall absichert.
Zur Einordnung: Eine gemeinsame Untersuchung der Technischen Kommission Bauklebstoffe (TKB) und der Universität Siegen kam 2012 zu dem Ergebnis, dass der 2,0 %-Grenzwert bei Zementestrich in manchen Fällen auch tatsächlich noch feuchten Estrich als "trocken" durchgehen lässt (TKB-Bericht 1: Belegereife und Feuchte, klebstoffe.com). Bei kritischen Belägen messen wir deshalb lieber etwas trockener, als der Mindestwert vorschreibt.
Wann wird eine CM Messung durchgeführt, und wer macht das?
Der optimale Zeitpunkt für eine CM-Messung für Estrich ist so kurz wie möglich vor der Belagsverlegung. Wird heute gemessen und der Boden erst in vier Wochen gelegt, kann in der Zwischenzeit durch ein anderes Gewerk erneut Wasser auf den Estrich gelangt sein. Bei Fußbodenheizung muss zusätzlich das Aufheizprotokoll vollständig abgeschlossen sein.

Die Zuständigkeit: Verantwortlich für die Durchführung einer CM Messung ist grundsätzlich, wer die letzte Schicht aufbringt.
- Verlegt ein externer Bodenleger den Belag, ist dieser zur eigenen Messung verpflichtet.
- Bringen wir selbst den Abschluss auf, etwa eine Epoxidharzbeschichtung, übernehmen wir die Prüfpflicht.
Wer misst: Bei Otten Fußbodentechnik wird die CM Messung immer vom Bauleiter oder von mir (Patrick Otten) persönlich durchgeführt. Der Bauherr selbst sollte und darf die CM Messung in keinem Fall selbst durchführen, da das nötige Equipment und die Erfahrung dafür in der Regel nicht vorhanden ist.
Wie viele Messstellen werden bei einer CM-Messung benötigt?
Der Richtwert für die Anzahl von Messstellen bei einer CM-Messung liegt bei einer Messstelle pro 50 Quadratmeter. Bei Otten Fußbodentechnik setzen wir bei 100 Quadratmetern in der Regel drei bis vier Messstellen an, also deutlich mehr als das Minimum erfordert, um sicher zu sein.
Der Ablauf einer CM Messung im Überblick
So gehen wir bei jeder Messung vor:
1. Digitale Vormessung. Wir messen die größte Fläche digital durch und suchen den schlechtesten Wert. Genau an dieser Stelle setzen wir die CM Messung an, statt mehrfach zu messen.
2. Probenentnahme. Die Probe wird geschlagen, nicht gebohrt. Bohren erzeugt Reibungswärme, die genau die Feuchtigkeit vertreibt, die gemessen werden soll. Wir erfassen den kompletten Querschnitt bis hinunter zur Dämmung, denn nur oberflächlich entnommene Proben übersehen die Feuchtigkeit, die später Schäden verursacht.
3. Die Menge. 50 Gramm bei Zementestrich, 100 Gramm bei Fließestrich, ohne die Probe mit bloßen Händen zu berühren.
4. Die Messung. Probe zerkleinern, mit Calciumcarbid in die Druckflasche geben, Druck am Manometer ablesen, Wert über eine Tabelle ermitteln.
5. Verschließen. Das entstandene Loch, nicht größer als eine 1 oder 2 Euro Münze, wird mit Spachtelmasse oder Fliesenkleber verschlossen.

Der häufigste Fehler: nicht bis zur Dämmung zu messen. Genau deshalb ist eine lückenlose Dokumentation der Messstellen so wichtig. Nur wer genau festhält, wo und wie tief gemessen wurde, kann im Streitfall nachweisen, dass korrekt und vollständig gemessen worden ist.
So sieht das Messprotokoll aus
Unser Messprotokoll folgt der Arbeitsanweisung CM-Messung des Bundesverbands Estrich und Belag (BEB) und enthält unter anderem folgende Angaben:
- Auftraggeber und Bauobjekt
- Estrichart, Bauabschnitt und Raum
- Fußbodenheizung und Konstruktionsart
- Prüfer und Datum
- Einwaage, Messtiefe und Estrichdicke
- Raumtemperatur und Luftfeuchte
- Feuchtewert samt Grenzwert und vorgesehenem Oberbelag
- Unterschrift des Prüfers
Bei Fußbodenheizung ist ein Punkt besonders wichtig: Die Heizung muss beim Messen aus sein, sonst ist das Ergebnis verfälscht.
Wir erstellen das Protokoll nicht vor Ort, sondern im Nachgang zusammen mit der Rechnung.
Die Kosten einer CM Messung
Unser Richtwert: 180 € zuzüglich Anfahrt mit rund 1,30 € pro Kilometer. Enthalten ist neben dem etwa halbstündigen Termin vor Ort auch die Erstellung des schriftlichen Protokolls.
Zum Vergleich: Der Preis der Messung ist abhängig von Region, Anzahl der Messstellen und dem Anfahrtsweg.
Die Kosten trägt in aller Regel der Bauherr. Und das ist gut investiertes Geld. Ein aufquellendes Parkett kostet in der Regel ein Vielfaches der Messkosten.
Was passiert, wenn der Wert zu hoch ist?
Liegt der Wert über dem Grenzwert, greifen wir nicht sofort zum Telefon, sondern dokumentieren zuerst im Protokoll. Erst danach werden Fragen geklärt, das Protokoll ist die belastbare Grundlage für alles Weitere.

Was folgt, hängt vom Einzelfall ab:
- weiter abwarten und den Estrich natürlich trocknen lassen
- bei Fußbodenheizung die Vorlauftemperatur erneut anfahren
- gut lüften
- in dringenden Fällen Trocknungsgeräte einsetzen, mit zusätzlichen Kosten
Sie wollen mehr zur Trocknungszeit von Estrich erfahren? In unserem Artikel Estrich Trocknungszeit - Wie lange muss Estrich trocknen? gehen wir genauer auf die Thematik ein.
Rechtlich wichtig: Wird trotz dokumentiertem, zu hohem Wert verlegt, verschiebt sich die Haftung für spätere Schäden in aller Regel auf denjenigen, der trotz der Warnung weitergearbeitet hat. Deshalb hat das schriftliche Protokoll für alle Beteiligten so viel Gewicht.
Sonderfall Fußbodenheizung: Messstellen und Aufheizprotokoll
Bei Estrich über Fußbodenheizung muss vor der CM Messung das Aufheizprotokoll vollständig abgeschlossen sein. Läuft die Heizung während der Messung noch, verfälscht die Temperatur das Ergebnis.
Der branchenübliche Trocknungsfahrplan sieht so aus:
- Ab dem 4. Tag nach dem Einbringen: Vorlauftemperatur auf 25 °C, einen Tag halten
- Stufenweise Erhöhung um maximal 5 °C pro Tag bis auf 55 °C
- Je nach Estrichdicke rund 10 bis 14 Tage bei maximaler Vorlauftemperatur halten
- Danach Prüfung auf Restfeuchte
Erst wenn die Belegreife erreicht ist, wird die Oberflächentemperatur auf 15 bis 18 °C reduziert. Dann wird gemessen und der Belag verlegt.
Bei den Messstellen gilt dasselbe Prinzip wie bei jedem anderen Estrich: Wir legen Anzahl und Lage bereits beim Einbau fest und geben sie an unser Team weiter. So ist im Zweifel jederzeit nachvollziehbar, wo eine Probe entnommen werden kann.
Ein weiterer Sonderfall: Estrich im Außenbereich. Viele fragen sich: das geht? Lesen Sie jetzt mehr dazu in unserem Artikel Estrich im Außenbereich: Mindestdicke, Aufbau und Tipps.
Fazit CM-Messung
Die CM Messung ist das einzig anerkannte, gerichtlich belastbare Verfahren zur Bestimmung der Restfeuchte im Estrich. Sie stellt fest, ob ein Estrich belegreif ist, und schützt vor Feuchteschäden wie aufquellendem Parkett oder gelösten Fliesen.
Wir messen dabei über dem Mindeststandard: mehr Messstellen als vorgeschrieben, eine gezielte Vormessung und ein vollständig dokumentiertes Protokoll.
Sie planen einen neuen Bodenbelag mit Estrich als Grundlage und wollen sichergehen, dass der Estrich wirklich belegreif ist?
Nehmen Sie hier Kontakt zu uns auf, wir beraten Sie in allen Fragen ums Thema Estrich fachgerecht.
Häufig gestellte Fragen zur CM-Messung
Wie lange dauert eine CM-Messung?
Eine CM Messung des Estrich dauert rund 30 Minuten und umfasst Probenentnahme, chemische Reaktion mit Calciumcarbid sowie Ablesen des Feuchtewerts am Manometer. Das schriftliche Messprotokoll wird im Nachgang erstellt und zusammen mit der Rechnung an den Auftraggeber übergeben.
Wer bezahlt die CM-Messung?
Die Kosten einer CM Messung am Estrich trägt in der Regel der Bauherr als Auftraggeber der Baumaßnahme. Als Richtwert gelten rund 180 € zuzüglich Anfahrtskosten. Deutschlandweit hängen Kosten der CM Messung beispielsweise von Region, Fläche des zu prüfenden Estrichs und Anfahrtskosten ab.
Kann man Restfeuchte im Estrich elektronisch bestimmen?
Elektronische Feuchtemessgeräte reichen zur Feststellung der Belegreife eines Estrichs nicht aus, da sie nur die Feuchtigkeit der Oberfläche des Estrichs erfassen und keinen rechtssicheren Nachweis liefern. Nur die CM Messung gilt als anerkanntes Verfahren, die vor Gericht Bestand hat.
Was tun wenn Estrich nach CM-Messung noch zu feucht ist?
Ist der bei einer CM Messung ermittelte Feuchtewert im Estrich zu hoch, wird dieser Zustand zunächst schriftlich protokolliert. Je nach Situation muss der Estrich anschließend weiter trocknen, die Fußbodenheizung erneut hochgefahren oder ein Trocknungsgerät zur Beschleunigung eingesetzt werden.
Muss vor der CM-Messung das Aufheizprotokoll abgeschlossen sein?
Bei Estrich mit einer Fußbodenheizung muss vor der CM Messung das Aufheizprotokoll vollständig abgeschlossen sein, da eine noch laufende Heizung die Temperatur und damit das Messergebnis verfälscht. Erst nach abgeschlossenem Belegreifheizen liefert die CM Messung verlässliche Werte zur Restfeuchte.


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